Interviews
Keine Lieder ohne Liebe
Melancholische Songs wie "Lost" von seinem aktuellen Album "Call Me Irresponsible" sind Bublés Stärke und Markenzeichen. In seiner Stimme liegen Traurigkeit, Hoffnung, Liebe, Gefühle jeglicher Art. Doch wie "lost" ist Bublé eigentlich privat? Im Interview mit Steffen Rüth erzählte er über seine Liebe zum Beruf, seiner Familie und sein ganz privates turbulentes Liebesglück.´
Melancholische Songs wie "Lost" von seinem aktuellen Album "Call Me Irresponsible" sind Bublés Stärke und Markenzeichen. In seiner Stimme liegen Traurigkeit, Hoffnung, Liebe, Gefühle jeglicher Art. Doch wie "lost" ist Bublé eigentlich privat? Im Interview mit Steffen Rüth erzählte er über seine Liebe zum Beruf, seiner Familie und sein ganz privates turbulentes Liebesglück.
Keine Lieder ohne Liebe - Michael Bublé
Du warst jetzt zwei Jahre auf Tour und in 45 Ländern - hast du jemals deine Heimat vermisst und wolltest nach Hause?
Aber natürlich. Du wirst auch denken "Oh, schön wieder in Vancouver zu sein", und manchmal wünschst du dir, einfach daheim bleiben zu können. Ich mag die Gegensätze in meinem Beruf.
Was würdest du tun, wenn du keine Lust mehr zum Singen hättest?
Das passiert nicht, aber wenn, dann würde ich bestimmt kein Politiker. Mit ein paar von denen bin ich befreundet, die stöhnen immer, wie wenig Macht und Einflussmöglichkeiten sie in Wirklichkeit haben. Als Politiker steckst du ständig in der Klemme der unterschiedlichsten Interessengruppen, und am Ende wirst du für deine Kompromissbereitschaft auch noch fertiggemacht. Nein danke. Ich möchte später lieber Platten produzieren. Und jungen Menschen helfen, ihre Stimme zu finden. So wie David Foster einst half, meine Stimme zu finden.
Soll "Call Me Irresponsible" ein moderner Klassiker werden?
Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass "It's time" zwei Jahre lang in den amerikanischen Charts steht. Das ist so eine großartige Sache. Ich habe Glück. Ich habe mich in Musik verliebt, die eine immerwährende Qualität haben, die dich gleichermaßen ansprechen, ob du nun aus Deutschland oder aus Südafrika kommst.
Dein Album heißt "Call Me Irresponsible" ("Nenn mich unverantwortlich")...
Nicht alle in meinem geschäftlichen Umfeld mögen den Titel. Aber ich wollte unbedingt, dass die Platte so heißt wie dieser wunderschöne Song, der schon von Bobby Darin und Frank Sinatra gesungen wurde. Weil es halt perfekt passt: Ich bin unverantwortlich, unverlässlich, aber auch voller Liebe und Herzlichkeit. So bin ich.
Machst du dir bewusst, wie spektakulär dein Leben ist?
Ja, das musst du machen. So oft wie möglich nehme ich meine Familie, meine Eltern und Geschwister mit auf diese Reisen. Die sollen sich anschauen, was ihr Sohn so macht. Sogar mein Großvater kommt manchmal mit, der ist 79 und dafür verantwortlich, dass ich als Junge zum ersten Mal Kontakt zu dieser herrlichen Swingmusik aufnahm.
Wenn deine Eltern mit auf Tour kommen, musst du dich benehmen, oder?
Nein, nein, nein. Im Gegenteil. Die meiste Zeit auf Tour waren meine Eltern und meine Schwestern mehr oder weniger besoffen. Die wollten MICH immer zum Trinken verführen, aber ich sagte immer "Oh nein, ich muss arbeiten."
Michael, du singst so viel über die Liebe. Verstehst du die Liebe?
Tja, ein bisschen was über die Liebe habe ich wohl mitgekriegt über die Jahre. Ich denke, ich verstehe die Liebe so einigermaßen.
Da bist du der erste Mann, der das behauptet.
Ich verstehe, wie schwierig und komplex die Liebe ist, wie glücklich sie dich machen kann und wie sehr sie dich verletzt. Es gibt für mich kein furchtbareres Gefühl, als einen Menschen zu lieben, der dich nicht, oder nicht mehr, zurückliebt. Ach, die Liebe - sie ist ein Riesenteil meines Lebens, natürlich. Und ohne die Liebe hätte ich echte Probleme, Lieder zu finden, die ich singen könnte. Ohne die Liebe wäre das Leben scheiße und es gäbe den Sänger Michael Bublè überhaupt nicht.
Auf "Me and Mrs Jones" singst du zusammen mit deiner Freundin, der Schauspielerin Emily Blunt. Wie kam das denn?
Sie hat eine schöne Stimme, aber ein richtiges Duett ist es ja nicht, sie singt nur mal kurz ein paar Zeilen.
Wie habt ihr euch kennengelernt?
Bei einem meiner Konzerte. Sie war in Vancouver, nach der Show kam sie hinter die Bühne, und, zack, da war es passiert. Wir haben uns verliebt. Wir waren uns zwar schon einmal vorher begegnet, aber das war mehr so freundlichschaftlich, da ist nichts gewesen. Ein Jahr sind wir jetzt zusammen.
Oha, warst du nicht neulich noch verlobt mit Debbie?
Ja, Debbie und ich, wir waren mehr als sieben Jahre zusammen. Zwischendurch hatten wir uns auch schon mal getrennt, und dann versöhnten wir uns und feierten Verlobung.
Aber?
Aber, ich fürchte, wir waren nicht ehrlich zu uns. Die Trennung hatte ja Gründe, und diese Gründe waren nicht aus der Welt. Unsere Beziehung war trotz Verlobung langsam auf dem Weg nach unten, wir waren auch die ganze Zeit getrennt, es war einfach eine Liebe, die an ihrem natürlichen Ende angekommen war. Ich werde Debbie trotzdem immer lieben. Sie hat einen tollen neuen Freund gefunden, ich bin glücklich für sie. Wir sind immer noch sehr eng befreundet, aber so ist das Leben halt nunmal.
Handelt dein Lied "Lost" von eurer verlorenen Liebe?
Ja, das hast du gut beobachtet. Letztlich sage ich in dem Song, dass du eine Person nicht verstoßen solltest, bloß weil deine Liebesbeziehung mit dieser Person nicht von Dauer war. Eine gewisse Liebe ist ja immer noch da, und du bist auch noch für diesen Menschen da, wenn er dich braucht. Zumindest bei Debbie und mir ist das so. Nach meiner Erfahrung braucht so etwas zwar eine gewisse Zeit, und es müssen auch Wunden heilen, aber eine Freundschaft kann funktionieren. Debbie liebte mich sehr, ich liebte sie sehr, sie ist eine wundervolle Person, bloß liebten wir uns am Ende nicht mehr genug, um uns ein gemeinsames Leben vorzustellen.
Kannst du dir mit Emily ein gemeinsames Leben vorstellen?
Unsere Liebe ist nocht recht jung, aber im Moment: Auf jeden Fall.
"Everything" ist dann dein Emily-Lied, oder?
Kannst du so sagen. Zumindest die Inspiration kommt aus meinem Leben. Zu persönlich sollte man in seinen Liedern nicht werden, denn dann fühlen sich ja alle anderen Menschen ausgeschlossen und denken "Da habe ich ja nichts mit zu tun, warum singt er das für mich und nicht für seine Freundin?"
Hast du deine Single-Zeit genossen zwischen Debbie und Emily?
Ja, das ging alles nicht Knall auf Fall. Als ich mich mit Emily befreundete, ging es ziemlich langsam voran, sie war seinerzeit noch in einer Beziehung, die ebenfalls dem Ende zuging, wir wollten erstmal nur Freunde werden und waren beide nicht so gleich wieder auf den Beziehungskram scharf.
Aber hast du dich gleich in sie verliebt?
Hmm, ich, ja, kannst du so ausdrücken, wenn du möchtest. Emily ist ein ziemliches Biest, aber ich habe schnell gespürt, dass ich ohne dieses Biest nicht sein will.
Ich kenne sie ja nur aus dem "Der Teufel trägt Prada"-Film...
Ja, aber in echt ist sie wirklich viel süßer und charmanter. Obwohl sie echt irre ist in dem Film. Jedesmal, wenn ich "Prada" sehe, verliebe ich mich frisch in sie. Aber weißt du, was sehr wichtig ist? Sie ist für mich nicht das "Teufel trägt Prada"-Mädchen und ich für sie nicht der "erfolgreiche Swingsänger". Wir beide halten das sehr stark getrennt, das hat nichts damit zu tun, wer wir sind, sondern was wir arbeiten. Wir sind einfach ein Paar, wir vergessen auch schon mal, wie toll der andere seinen Job macht.