Interviews
Michael Bublé: Ich musste mich neu sortieren
Loden Hotel, Vancouver. Michael Buble, Kanadas mit Abstand erfolgreichster Sänger der letzten Jahre, rüstet sich zum Gespräch. Der 34-Jährige Weltstar schnorrt sich bei einer Plattenfirmenmitarbeiterin Kippe, Feuerzeug und Aschenbecher zusammen und pflanzt sich auf den Liegestuhl, der auf der Penthouse-Terasse im 15. Stock auf ihn wartet. Das Gespräch über sein viertes Album „Crazy Love“ sowie über sein eigenes turbulentes Liebesleben kann beginnen.
Loden Hotel, Vancouver. Michael Buble, Kanadas mit Abstand erfolgreichster Sänger der letzten Jahre, rüstet sich zum Gespräch. Der 34-Jährige Weltstar schnorrt sich bei einer Plattenfirmenmitarbeiterin Kippe, Feuerzeug und Aschenbecher zusammen und pflanzt sich auf den Liegestuhl, der auf der Penthouse-Terasse im 15. Stock auf ihn wartet. Das Gespräch über sein viertes Album „Crazy Love“ sowie über sein eigenes turbulentes Liebesleben kann beginnen.
Michael, auf dem Cover von „Crazy Love“ trägst du einen Dreitagebart und auch die Songs klingen längst nicht so glatt wie dein bisheriges Schaffen. Läutest du jetzt deine wilde Rockerphase ein?
Michael Bublé: Der Bart kommt und geht, aber du hast schon recht, ich fand den echt passend. Als es mit der Arbeit am Album losging, habe ich mich mit David Foster, meinem Stammproduzenten, hier in Vancouver hingesetzt und gesagt „David, ich will dieses Mal eine andere Art von Platte machen“. Der Sound war mir nicht so wichtig. Mir kam es auf das Gefühl an. Nun ja, dann meinte er „Das kann ich nicht. So arbeite ich nicht.“ Ich war sauer und forderte ihn auf, es sich nicht so bequem zu machen. Ich meine, das ist einer der größten Produzenten der Welt, und trotzdem erzählt er mir so einen Scheiß.
Was wolltest du denn genau?
Buble: Ich wollte ein organisches, präsentes, echt klingendes Album. So wie die Platten früher klangen. Ich hatte keine Lust auf die übliche megasauber produzierte David-Foster-Arbeit. Also habe ich erstmal hier in Vancouver 13 Mikrofone in einem Raum aufgestellt. Weißt du, Musik besteht nicht nur aus Noten und Tönen. Sie besteht vor allem aus der Luft zwischen den Tönen. Diese Luft hatte ich auf meinen früheren Platten nie drauf. Je öfter ich mir meine eigenen Sachen anhörte, desto mehr vermisste ich diesen Geist der alten Motown-Platten, der Aufnahmen von Frank Sinatra oder auch der Beatles. Diese Klassiker fühlen sich einfach wahnsinnig gut an. Ich fragte herum, warum die Klassiker so klingen wie sie klingen. Die Antwort war, dass sie anders aufgenommen waren. Da hast du das Gefühl, du stehst direkt neben denen im Studio, wenn du deren Songs hörst. Sie haben eben nicht je einen Raum für Gitarren, Bläser, Piano, Stimme gehabt und am Ende alles auf einer MP3-Spur so sehr zusammengepresst, dass sämtliches Leben aus der Musik gedrückt wurde. So war es bei mir. Keine Luft war mehr übrig.
Mit wem hast du dann aufgenommen?
Buble: Ich sprach Humberto Gatica an und bat ihn, entsprechend meiner Vorstellungen die neue Platte zu produzieren. Das hatte er so auch seit Jahren nicht mehr gemacht, eigentlich seit seiner Arbeit mit Sinatra nicht mehr. Humberto machte mir klar, dass es anstrengender werden würde, so aufzunehmen. Weil alles echt ist und kein Computer alles ausbügelt. War mir nur recht. Also legten wir los mit „You’re nobody till somebody loves you“ und „Stardust“. Mit sieben Musikern saßen wir auf dem Boden, um uns herum zwei Mikrofone. Wir spielten los, sangen den Song vier Mal und wussten, es ist nicht perfekt, aber es klingt besser, als alles andere, das ich je aufgenommen habe. Dieses Album ist wirklich sehr organisch und natürlich geworden. Auch in den Songs, die ich selbst schrieb, bin ich tiefer gegangen. Ich habe wirklich gewühlt in meinen Gefühlen.
Und David Foster?
Buble: Foster hat am Ende die Hälfte der Platte gemacht. Er ist schließlich doch noch aus seiner Schmollecke gekrochen und hat so mit mir gearbeitet, wie ich das gewollt hatte. Kann gut sein, dass er meine alten Sachen besser fand, er hat ja nun auch einen sehr eigenen Stil und Sound, aber bitte, ich mache ja nicht deshalb Musik, um David Foster zu befriedigen.
Ich bin sehr glücklich mit diesem Album. Niemand sagt ja, dass die neue Platte seine mieseste ist. Aber ich bin überzeugt, dass ich „Crazy Love“ nicht allzu hart anpreisen muss. Die Leute werden es hören und auch so empfinden, wie ich empfinde.Die Lieder werden sie berühren. Ich jedenfalls habe großes Vertrauen in dieses Album.
Ob es freilich kommerziell ähnlich erfolgreich ist, das weiß ich nicht.
Dabei wirkt es doch so, als wenn jedes deiner Alben immer noch besser läuft als das vorherige. Ist es ein Balanceakt für dich, zugleich deinen künstlerischen wie auch den kommerzuellen Erwartungen gerecht zu werden?
Buble: Ja. Foster und andere Geschäftspartner kratzten sich am Kopf, dass ich plötzlich für meine Verhältnisse solche großen Risiken eingehe. Die Songs sind kantiger, eigenwilliger, und abgesehen von „Georgia on my Mind“ gar nicht so bekannt. Und „Heartache Tonight“ ist ja fast schon Rock’n’Roll, eine richtige Partynummer. Aber ich bin der Meinung, ich habe mein Soll mehr als erfüllt. Fünf Jahre lang habe ich gemacht, was von mir verlangt wurde. Ich habe einige Entscheidungen getroffen, die kommerziellen Erfolg begünstigten. Jetzt habe ich mehr Verantwortung gegenüber mir selbst und meiner Integrität als gegenüber allen anderen. Schließlich waren meine ersten drei Platten sehr auf der sicheren Seite aufgenommen. Ich wusste doch genau, wenn ich den Leuten dieses und jenes gebe, dann kaufen sie die Platte und kommen ins Konzert. Ich will die jetzt Hörer natürlich nicht entfremden, aber ich will wachsen und die Leute mitnehmen. Vielleicht fühlen ja plötzlich auch solche Musikfreunde etwas, die mich bislang nicht so spürten. Ich bin mutig, aber nicht verrückt. Deshalb habe ich auch kein Problem damit, Balladen wie „All of me“ neu einzuspielen. Alles in allem jedenfalls bin ich überzeugt, dass ich meinen Helden Elvis, Dean, Frank und den Beatles deutlich nähergekommen bin.
Da du schon die Beatles ansprichst. In der von dir geschriebenen ersten Single „Haven’t met you yet“ stimmst du am Ende in ihr Stück „All you need is Love“ ein.
Buble: Ja, stimmt. Bei dieser Nummer hatte ich die ganze Zeit die Beatles im Kopf (sein Handy klingelt)
Sorry, meine Freundin. Ich muss ihr schnell eine SMS schreiben. Sie ist heute ein bisschen krank.
Der Song ist simpel und steckt voller Hoffnung. Das Arrangement erinnert mich wirklich an George Martin, und auch Bob Rock, der „Haven’t met you yet“ produziert ist, ist ein sehr aufgeschlossener Mensch. Das Lied ist eine Ode an die Beatles, keine Frage.
- Es unterscheidet sich von deinen früheren Singles. Es ist gutgelaunt, flott und fröhlich.
Buble: Das sollte so sein. Ich will diese spaßige, unbeschwerte Seite meines Charakters stärker zum Ausdruck bringen.Ich werde ja auch älter und verändere mich. Mein Geschmack ändert sich auch.Und vielleicht werde ich den Leuten auf diese Weise nicht so schnell langweilig. Wenn du immer wieder die gleiche Platte machst, dann sagen sich manche Leute wahrscheinlich, warum sie dann noch ein viertes Album von mir brauchen, wo sie dich schon drei haben.
Wie erwachsen fühlst du dich denn?
Buble: Nicht wie ein alter Mann. Aber ich merke, dass sich in meinem Kopf einiges verändert hat. Ich bin reifer geworden. In meinem Leben ist einiges zuletzt richtig schief gelaufen, darunter habe ich gelitten wie ein Hund. Meine damalige Freundin und ich, wir haben uns vor etwas mehr als einem Jahr getrennt. Das war hart und ich habe oft einfac nur daheim gelegen und geheult. Aber ich bin nicht kaputt gegangen. Sondern habe versucht, meinen Vorteil aus den Tumulten zu ziehen und zu wachsen. Diese Lektionen wirklich lehrreich werden zu lassen.
Was hast du denn konkret gelernt durch die Trennung von Emily Blunt?
Buble: Nun ja, das war ein Schlag. Ich musste mich erstmal neu sortieren und auch kritisch im Spiegel betrachten. Meine Entscheidungen waren nicht immer die richtigen, ich guckte mir also mein Dasein und meine Wünsche an und dachte darüber nach, wie ich so liebend und Liebe verlierend durchs Leben gelaufen bin.
„I have broken my heart so many times, I stopped keeping track“ singst du in „Haven’t met you yet“.
Buble: Ja, so traurig ist das (lacht).
Warum hat die Beziehung mit Emily nicht gehalten?
Buble: Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Aber ich gebe mir die Schuld und die Verantwortung. Ich habe alles versucht. Ich habe wirklich dafür gekämpft, diese Liebe nicht zu verlieren.
Vergeblich.
Buble: Ja. Und als es vorbei war, habe ich mir Hunderte von möglichen Gründen, Erklärungen und Entschuldigungen zurechtgelegt. Aber ich habe die Antwort immer noch nicht gefunden. Ich versuche, diesen Schlag nun im positiven Licht zu sehen. Aber das ist nicht leicht.
Du bist wieder liiert, und zwar mit der 22 Jahre alten Argentinierin Luisana Lopilato, die als Model, Schauspielerin und Sängerin arbeitet. Das heißt, aufgegeben hast du die Liebe nicht?
Buble: Nein, das würde ich auch niemals tun. Es gibt immer Hoffnung. Ich bin mir sicher, dass ich eines Tages die Person finde, mit der ich zusammen alt werden kann. Ich war sieben Jahre mit Debbie zusammen, wir waren sogar verlobt. Drei Jahre mit Emily. Es ist nicht so, dass ich beziehungsunfähig wäre.
Warum ist es wichtig, an die Liebe zu glauben?
Buble: Weil du sonst keinen Grund hast, morgens aufzuwachen.
Glaubst du, dass dich jede beendete Beziehung besser ausrüstet für die nächste?
Buble: Das hoffe ich. Für mich und alle anderen. Ich meine, wenn wir unsere Lektionen nicht lernen, dann wiederholen wir unweigerlich immer wieder die selben Fehler. Auch darum geht es in „Haven’t met you yet“.
Was sind denn die notorischen Fehler des Michael Buble in der Liebe?
Buble: Ich war zu unsicher, habe der Sache nicht getraut und damit dazu beigetragen, sie an die Wand zu fahren. Dazu kommt, dass ich zuviel Kontrolle wollte. Und dass ich wegen meiner Unsicherheit auch noch saumäßig eifersüchtig wurde. Unsicherheit gepaart mit Eifersucht – puh, da hast du den Einblick in Michael Bubles kaputtes Liebesleben (lacht). Beide Gefühle sind so vollkommen unnütz und zerstörerisch, und doch falle ich immer wieder auf sie herein. Ich war süchtig nach Schmerz, süchtig nach den dummen Botschaften, die mein Gehirn mir geschickt hat. Wenn man seinem Kopf zu sehr vertraut, schickt er einen ins Verderben.
Spürst du diese Unsicherheit etwa auch, wenn dir jeden Abend im Konzert 20.000 Fans zujubeln?
Buble: Das eine hat mit dem anderen so gut wie nichts zu tun. Auf der Bühne spiele ich den starken, selbstbewussten, unzerstörbaren Michael Buble. Aber dieser Charakter ist ein Zerrbild. Im wirklichen Leben bin ich ein ziemlich durchschnittlicher Mensch. Ich habe meine Stärken und meine Schwächen wie alle anderen auch.
Sind Eifersucht und Unsicherheit die einzigen Fallstricke in einer Liebesbeziehung?
Buble: Oh nein, da gibt es noch einige mehr. Keine Beziehung funktioniert ganz ohne Schwierigkeiten. Vor allem unser eigenes falsches Ich schafft viele Probleme. Wir sind oft nicht ehrlich zu uns selbst. Wären wir es, würden wir unseren Gedanken und Gefühlen besser zuhören, könnten wir unsere Mitmenschen sehr viel besser behandeln und insgesamt einfach glücklicher sein.
„Hold on“ hast du auch selbst geschrieben. Und du bist seit „Home“ oder „Lost“ dafür bekannt, dass du stets Songs über deine ehemaligen oder aktuellen Partnerinnen verfasst.
Ist „Hold on“ mit Zeilen wie „I believe in you and me“ also das Emily-bitte-verlass-mich-nicht-Lied?
Buble: Indirekt. „Hold on“ ist inspiriert von Emily. Aber das Stück handelt nicht hundertprozentig von ihr. Das tun sie alle nicht. Auch „Everything“ von letzten Album war nicht pur „Emily“, genauso wie „Haven’t met you yet“ nicht ein reines Luisana-Lied ist. Ich vertone hier ja nicht meine Autobiographie. Sonst hätten die Hörer ja auch überhaupt keinen Raum für ihre eigenen Emotionenm, und das wäre schade. Einige meiner Freunde haben „Hold on“ gehört und wollten wissen, ob Emily und ich wieder zusammenkommen würden. Man kann ein Lied immer so oder so interpretieren. Eine andere Frau, die mich interviewte, meinte, das Lied handele von ihr und ihrem Ex-Mann, die Freunde geblieben sind, damit die Kinder nicht zu sehr leiden.
Was ist härter: Ein Herz zu brechen oder das Herz gebrochen zu bekommen?
Buble: Beides ist gleich schlimm und zerstörend. Da kann ich keine Abstufung treffen. Es kommt auch auf die Umstände an. Wenn du eine Beziehung verlässt, stellst du dir genauso viele Fragen, als wenn du deinerseits verlassen wirst. So etwas passiert nicht leichtfertig, zumindest nicht, wenn du über 20 oder 25 bist und schon ein paar Erfahrungen gesammelt hast.
Immer ist da dieses „Hätte ich doch“ oder „Hätte ich besser nicht“ oder „Sollte ich vielleicht“.
Wie hast du Luisana kennengelernt?
Buble: Wir sind uns in Buenos Aires über den Weg gelaufen, als ich dort einen Auftritt hatte. Unsere erste Begegnung war nur ganz kurz, erst später haben wir uns dann zum ersten Mal länger unterhalten.
Kanntest du sie vorher?
Buble: Nein. Gar nicht. Sie ist ziemlich berühmt in Argentinien, das habe ich aber auch erst später erfahren.
Wie lange seid ihr schon ein Paar?
Buble: So ungefähr seit acht Monaten.
Bist du beim Verlieben jetzt vorsichtiger?
Buble: Ja, die neue Beziehung möchte ich schön langsam angehen. So ausführlich wie gerade habe ich noch gar nicht über Luisana und mich gesprochen. Das war auch einer der Fehler von Emily und mir. Naiv wie wir waren, haben wir unsere Beziehung ziemlich öffentlich mit den Medien diskutiert. Das war nicht gut. Weil so etwas viel Druck auf eine Beziehung ausübt, die sowieso schon mit viel Druck auskommen muss, da sie unter den Augen der Öffentlichkeit stattfindet. So bleibt dir nur wenig, das allein dir gehört. Und so werde ich nicht mehr so ausgiebig über mein persönliches Leben sprechen. Das geht nämlich nur mich etwas an. Und ich möchte nicht mehr so schutzlos in den Medien auftauchen.
Lustig: Emily hat in einem Interview neulich fast dasselbe gesagt.
Buble: Echt? Gut. Weißt du, wir hatten schon länger keinen Kontakt mehr, eigentlich haben wir das ganze Jahr noch nicht miteinander gesprochen. Ich freue mich für sie, dass sie auch ein bisschen mehr aufpasst. Es ist gut für beide für uns, ein wenig privater zu werden.
Ich bin wirklich stolz auf Emily. Ich habe ein paar ihrer neuen Filme gesehen, und echt, sie wird immer besser. Ich bin überzeugt, dass sie eine der ganz großen Charakterdarstellerinnen werden wird. Und ich bin so froh, dass ich Teil ihres Lebens war.
Als die Plattenfirma dein neues Album vorgespielt hat, war auch ein Song dabei, der nun aber gar nicht auf „Crazy Love“ enthalten is. Nämlich „End of May“, der das Ende einer Beziehung beleuchtet und ungemein traurig ist. Schade, dass er es nicht auf „Crazy Love“ geschafft hat.
Buble: Ja, ich weiß. Dieses Lied ist sehr persönlich. Aber ich musste mich zwischen 17 tollen Songs für 12 Songs entscheiden. Mehr darf ich nicht. Sonst muss ich alles selber bezahlen, so ist mein Vertrag aufgebaut. Ich kämpfte diesen Kampf. Ich wollte „End of May“ unbedingt drauf haben. Aber hätte ich mich durchgesetzt, hätte mich das wahrscheinlich zwei Millionen Dollar gekostet. „End of May“ wird sicher in einem Film auftauchen.
Und auch „Hollywood is dead“ ist nicht mit drauf. Das ist einer meiner allerstärksten Popsongs, die ich je geschrieben habe. Ich bin mir sicher, dass das ein Hit wird.
Worum geht es?
Buble: Um die Promikultur heutzutage. Alle wollen nur noch berühmt werden, warum und wofür auch immer. Die Menschen machen ja alles, um prominent zu werden. Ich finde das so krank. Früher gab es Film- und Musiklegenden, die wirklich charismatisch und brillant waren. Heute gucke ich auf den Roten Teppich und frage mich, was all diese langweiligen Leute dort machen. Mann, diese ganze Kultur ist wirklich seltsam geworden.
Fühlst du dich auch berühmt?
Buble: Nein, ich halte mich aus Klatschmagazinen raus. Und ich versuche, nicht mit schlechtem, krankem Benehmen in den Medien aufzutauchen. Zu oft geht es nur um den Schmerz der Menschen. Alle sind drogensüchtig, saufen und haben kaputte Beziehungen in diesen Zeitschriften. Ich bin nicht bereit, mein Leben so offenzulegen, um solche Berichterstattung zu provozieren. Natürlich kennen mich sehr viele Menschen. Und klar halten mich in jedem Land Leute auf der Straße auf, damit ich mich mit ihnen fotografieren lasse. Aber die sind cool. Ich habe keine Paparazzi, die hinter mir herlaufen.
Du hast dich desöfteren über dein Saubermann-Image beklagt und gemeint, du wolltest nicht als der perfekte Schwiegersohn gelten.
Buble: Ja, und mittlerweile hat sich das geändert. Ich sehe das locker. Ich finde, ich muss niemandem mehr beweisen, dass ich böse oder krass oder was auch immer bin. Jeder soll mich mögen oder es lassen. Ich kann nichts anderes, als ich selbst zu sein: Ein ziemlich normaler, gewöhnlicher Kerl. Ich habe wirklich in diesem Jahr sehr viel über mich nachgedacht. Und kam zu dem Ergebnis, dass ich nicht versuchen sollte, jemand zu sein, der ich nicht bin.
Wer bist du denn?
Buble: Ich bin ein netter Kerl.
Gibt Schlimmeres.
Buble: Natürlich. Aber als ich anfing, war das komisch für mich. Überall las ich, dass ich der „Sänger für die Mütter“ sei, der Herzensbrecher für Frauen ab 50. Ich fand das blöd. Aber was soll ich machen? Ich komme mittlerweile gut mit solchen Etiketten klar. Ich sehe noch eine lange Karriere vor mir. Auch deshalb will ich mir selbst treu bleiben.
Gab es Augenblicke, in denen dir alles zu viel wurde? Drohtest du jemals auszubrennen?
Buble: Am härtesten waren die ersten drei Jahre. Ich flog durch die Welt, war jeden Tag am Arbeiten und hatte keine Zeit für die Liebe. Meine damalige Freundin, meine Familie und meine Freunde haben darunter sicher sehr gelitten. Aber es gab keinen Platz. Inzwischen achte ich viel mehr auf den Ausgleich zwischen einem guten Privatleben und einem guten Berufsleben. Ich war zum Beispiel ein ganzes Jahr lang nicht auf Tour, und es geht auch erst im März wieder los.
Wie verbringst du denn zum Beispiel das kommende Wochenende?
Buble: Heute Abend gehe ich essen mit meinen Eltern und meinen Großeltern.
Morgen treffe ich mich mit meinen Schwestern und deren Männern und Kindern in meinem kleinen Sommerhaus. Meine Familie sieht mich echt oft in letzter Zeit. Das mag ich.
Wohnst du mit Luisana zusammen?
Buble: Nein, nein. Wie gesagt, ich gehe es jetzt ein bisschen vorsichtiger an. Wir führen eine Fernbeziehung. Knapp zehn Stunden Flug zwischen Vancouver und Buenos Aires. Aber was soll’s? Ich bekomme im Flugzeug was zu essen und kann mir einen Film angucken.
Denkst du gelegentlich an Nachwuchs?
Buble: Oh. Hast du was gehört? (lacht). Soweit ich weiß, gibt es nirgendwo auf der Welt kleine Bubles. Mal schauen. So weit kann ich nicht in die Zukunft schauen.
Wirst du zum anderen Menschen, wenn du in einer Beziehung bist?
Buble: Nein.
Also flirtest du genauso, als wenn du single wärst?
Buble: Der Flirt gehört zu mir einfach dazu. Ich flirte mit jedem und jeder. Ich flirte mit alten Menschen genauso wie mit Babies. Ich bin ein Sozialtier. Weiß gar nicht, ob das überhaupt flirten ist, was ich mache. Ich habe einfach Menschen gern. Wenn mich ein 80 Jahre alter Mann auf der Straße anspricht, dann klopfe ich ihm wahrscheinlich kumpelhaft auf den Hintern.
Eine ideale Vorassetzung für dich als Entertainer?
Buble: Ja. Ich nehme Verbindung auf mit den Leuten. Das ist mir extrem wichtig. Ich weiß es zu schätzen, wie herrlich es ist, da oben zu stehen und die große Energie zu spüren. Viele denken ja, auf der Bühne müsse man ein nervöses Nervenbündel sein. Aber das Gegenteil ist bei mir der Fall. Ich fühle mich nirgendwo so sicher wie auf der Bühne.
Warum heißt das Album „Crazy Love“?
Buble: Der Titel sprang mich direkt an, als ich dieses wunderbare Lied von Van Morrison aufnahm. Welcher Titel wäre passender? Crazy Love. Sie ist mal süß und mal sauer. Und wir haben verdammt wenig Macht über die Liebe. Sie treibt ihr Spiel mit uns, ob wir wollen, oder nicht. Dieses Album umfasst das gesamte Spektrum der Emotionen, die in der Liebe möglich sind. Natürlich hätte ich gerne mehr Kontrolle über die Liebe. Aber ich bin kein Illusionist.
Verstehst du die Liebe?
Buble: Nein. Niemand versteht die Liebe. Aber sie beherrscht uns, egal ob wir alt, jung, schwul oder hetero, Muslim oder Christen sind. Die Liebe ist überall. Mann, ich höre mich an wie ein alternder Hippie.
Glaubst du an die Liebe deines Lebens?
Buble: Ich weiß nicht. Ich bin skeptisch, was das angeht. Die Wirklichkeit hat mich bis jetzt immer wieder eines Besseren belehrt. Und wäre es nicht furchtbar traurig, wenn deine ideale Seelenverwandte irgendwo am anderen Ende der Welt sitzt, mit jemand anderem Sex hat, und du nie von ihr erfahren wirst? Nein, ich denke, ein wenig Pragmatismus schadet auch in der Liebe nicht.
Sind deine Eltern noch zusammen?
Buble: Ja, das sind sie. Aber die Zeiten haben sich verändert. Die Aufmerksamkeitsspannen der Leute sind kürzer geworden. Und es war leichter, sich das gemeinsame Leben zu versprechen, wenn man mit 15 heiratete und mit 32 starb. Heute werden die Menschen viel älter. Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der habe ich vielleicht an die endlose Liebe geglaubt. So ganz fundamental. Bevor ich enttäuscht wurde.
Glaubst du an Monogamie?
Buble: Schwieriges Thema. Ich denke, wenn du das willst, dann kannst du es durchhalten. Aber wenn nicht, dann nicht. Letztlich ist es mit der Treue so ähnlich wie mit einer Diät. Gehe ich zu McDonalds oder gehe ich nicht? Habe ich eine Affäre oder lasse ich es bleiben? Die Entsciehdung treffen wir oft in Sekundenbruchteilen. Aber mit den Konsequenzen müssen mir mitunter sehr lange leben.
Sollte man also vor einer Beziehung mit der Partnerin besprechen, ob man sich treu bleibt?
Buble: Das muss jeder selbst wissen. Aber je älter ich werde, desto edler und bewundernswerter finde ich es, wenn sich zwei Menschen gegenseitige Treue versprechen und sich daran halten. Und wenn du mit jemand anderem zusammen sein willst, dann halte ich es für anständig, es deiner Partnerin auch zu sagen.
Was hat mehr Reiz: Deine Freundin betrügen oder heimlich zu McDonalds zu gehen?
Buble: Ich bin inzwischen 34 und froh, dass ich gerade ein paar Kilos abgenommen habe. Ich würde sagen: McDonalds ist derzeit die größere Versuchung..
Du siehst aus, als hättest du viel Sport gemacht.
Buble: Ja, ich habe eine Menge Eishockey gespielt. Bald haben wir hier die Olympischen Spiele. Hoffentlich fragt man mich, ob ich mitmachen möchte Als Sänger meine ich, nicht als Sportler.
Wer sind deine Helden? Der legendäre Eishocheyspieler Wayne Gretzky?
Buble: Nein, Wayne ist inzwischen ein guter Freund von mir. Meine wahren Helden sind mein Vater und mein Opa. Das sind großartige Männer. Je älter ich werde, desto ähnlicher werde ich meinem Vater. Er ist sensibel und humorvoll, ein wirklich netter, toller Mann. Ich bin froh, einen Vater zu haben, auf den ich so stolz bin und von dem ich so viel habe.
Stimmt es, dass du Italiener bin?
Buble: Stimmt. Weil mein Opa Italiener ist. Wir waren häufig in Italien, und jedesmal, wenn ich dort war, denke ich, dass wir Bubles doch eine sehr typische italienische Familie sind. Wir essen gerne und hängen ständig zusammen.
Wer oder was hat dich nach der letzten Trennung getröstet?
Buble: Niemand. Trost bringt nur die Zeit. Und auch das nur langsam. Das ist die Wahrheit.
Mein Opa sagt immer, dass der Fluch von heute der Segen von morgen ist. Hoffentlich hat er recht. Ich habe nach der Trennung viel Zeit mit meiner Familie verbracht. Mum, Dad, meine zwei Schwestern. Sie alle haben versucht, mich wieder aufzubauen.
Also bringt es nichts, sich mit den Kumpels zu besaufen?
Buble: Nee. Ich fürchte, aus dem Alter bin ich raus. Das funktioniert vielleicht mit 18. Und ehrlich, die Jungs haben alles noch schlimmer gemacht. Das sind die großklötzigsten und unsensibelsten Säcke, die man sich nur vorstellen kann. Weißt du, alles was die sagen ist „Alter, komm mit saufen und anschließend reißt du dir irgendein Mädel auf“. Toll.
Saufen oder Vögeln ist wie ein Pflaster auf einer tiefen Wunde. Was hilft, sind lange und ehrliche Unterhaltungen. Wegen meiner auch mit Männern. Ich glaube ja, dass auch Typen Gefühle haben können, wenn sie sich anstrengen. Mein bester Freund, den kenne ich, seit ich vier bin, der hat schon vor Jahren diese Frau geheiratet und mir gesagt: Ich werde sie nie enttäuschen. Wir waren früher beide ziemlich wild und haben wenig anbrennen lassen. Aber er hat sich an sein Versprechen gehalten. Macht mich wirklich stolz, der Kerl. Ich kann das auch schaffen. Daran glaube ich.
Was machst du, wenn Michael-Zeit ist?
Buble: Ich gucke „Lost“, spiele Videospiele, fahre Fahrrad, spiele Tennis oder Fußball. Ich bin wie ein Hund. Werf den Ball nach mir und ich hole ihn.
Im Februar finden in Vancouver die Olympischen Spiele statt. Freust du dich darauf?
Buble: Ich freue mich für die Stadt und die ganze Infrastruktur hier. Und die ganze Welt wird nun sehen, wie wunderschön, lebenswert und toll diese Stadt ist. Olympia wird Vancouver gut tun. Und außerdem bringt das Ereignis eine Menge Jobs, die können wir gebrauchen.
Was machst du mit deinem Geld?
Buble. Ich habe ein Eishockeyteam gekauft, bin Teilbesitzer der Vancouver Giants. Das ist eine fantastische Jugendmannschaft, verdammt hungrige Jungs, die jedes Mal vor 10.000 Leuten und mehr spielen. Außerdem gehört mir ein Golfplatz in der Nähe der Stadt. Das sind tolle Investments.
Mit wem singst du eigentlich auf „Whatever it takes“ zusammen?
Buble: Mit Ron Sexsmith Das ist ein großartiger, smarter Kerl und toller Singer/Songwriter. Er hat das Lied geschrieben. Ich bin überzeugt, dass Ron irgendwann so groß wird wie Leonard Cohen. Allerdiongs ist eigentlich viel zu bescheiden für seine große Klasse
Wir sind schon länger befreundet und haben das kurzerhand klargemacht. Ich finde das herrlich: Zwei heterosexuelle Jungs singen gemeinsam dieses wirklich schöne Liebeslied..
Stellst du dir Michae Buble mit 70 vor?
Buble. Nein, das lasse ich sein. Ich will nicht so weit nach vorne schauen. Das bringt nichts, nur Unglück.
Steffen Rüth